Game Jam

Innerhalb von knapp 48 Stunden einen ersten Game-Protoypen zu konzipieren und umzusetzen – das ist das Prinzip eines Game Jams / Hackathons.

Code for Culture 2017

Der Stoff aus dem die Spiele sind 

Beim Programmierwettbewerb „Code for Culture“ des Open Culture BW Projekts werden Daten und digitalisierte Objekte von Museen, Bibliotheken und Archiven zum Stoff für neue interaktive Games. Kulturinstitutionen kommen mit jungen Informatikern, Game-, Sound- und Grafikdesignern zusammen. Beim Game-Jam entsteht ein lebendiger Austausch, in dem unterschiedlich geprägte Szenen sich gegenseitig inspirieren und gemeinsam Potenziale zur spielerischen Wissensvermittlung erschließen. 


Am dritten Juni-Wochenende fliegen im ehemaligen Polizeiquartier an der Ulmer Straße in Stuttgart-Ost die Computerspielideen nur so durch die Luft. Laptops stehen dicht an dicht auf Arbeits- und Couchtischen, Tastaturgeklapper mischt sich mit Gesprächen, Lachen, Keyboard- und Gitarrenklängen. Im zweitgrößten Hackspace Deutschlands, dem shackspace, haben sich trotz hochsommerlicher Temperaturen über 60 junge Programmierer, Game- und Sound-Designer versammelt. Beim Game-Jam zum Auftakt des Programmierwettbewerbs „Code for Culture“ wollen sie binnen 48 Stunden Prototypen für neue Serious-Games – Spiele zur Wissensvermittlung – entwickeln.

Deutschlands erster Game-Jam mit Kulturdaten

 

Game Jam "Code for Culture"
Angelockt wurden sie von einem Portfolio interessanter Kulturdaten, die sie als Stoff für ihre Spielideen nutzen können. Auf Einladung der MFG Innovationsagentur Medien- und Kreativwirtschaft haben 13 angesehene Museen, Bibliotheken und Archive aus dem Südwesten gehaltvolle Datensammlungen und digitalisierte Objekte zur Verfügung gestellt. „Code for Culture“ ist ein wesentlicher Baustein der Initiative „Open Culture BW“, die neue Wege zum Erkunden des kulturellen Erbes aufzeigt, und deutschlandweit der erste Programmierwettbewerb, der ganz auf die Entwicklung von Games zum spielerischen Erschließen von Kulturdaten fokussiert. „Mit der Konzentration auf Games stellen wir besonders hohe Anforderungen an die Mitwirkenden“, erklärt Yasi Schneidt, Projektleiterin „Open Culture“ bei der MFG. „Denn damit ein Spiel wirklich funktioniert, müssen – anders als bei einer einfachen digitalen Anwendung – sehr viele Faktoren wie Visual-Story-Telling, Grafik, Animation und Sound perfekt ineinandergreifen“, so Schneidt.

Umso bemerkenswerter ist, dass beim Game-Jam im Juni nach Ablauf der 48 Stunden bereits Prototypen aller 11 entwickelten Ideen spielbar waren, die Hälfte davon sogar auf beliebigen Geräten – ein Reifestadium, das bei anderen Game-Jams selten erreicht wird. Als „sehr produktiv“ beschreibt Patrick Wachowiak, Mitgründer des Stuttgarter Game-Studios Chasing Carrots die Atmosphäre beim Game-Jam. „Die Teams haben sehr effektiv zusammengearbeitet, nachts wurde bis 5, 6 Uhr programmiert, gestaltet und diskutiert“, erzählt Wachowiak. Der Experte für User-Interface- und Game-Design ist einer der sieben Mentoren, die den jungen Spielegestaltern beim Game-Jam und der nachfolgenden Weiterentwicklungsphase zur Seite stehen.

„Die Produktivität war auch deswegen so hoch, weil wir auf eine möglichst interdisziplinäre Zusammensetzung geachtet haben“, glaubt Yasi Schneidt. So formierten sich etliche Teams aus Studierenden sehr verschiedener Fachrichtungen und Hochschulen, aus Leuten, die sich vorher gar nicht kannten. „Wenn mindestens ein Programmierer an Bord ist, ein Grafik-Designer, ein Sound-Experte und einer der sich mit Daten und Didaktik auskennt, dann erhöht das die Erfolgschancen eines Teams enorm“, so die Erfahrung von Schneidt.

Die 11 beim Game-Jam entwickelten neuen Formate reichen von einer explorativen Tour durch das Bilderuniversum des Malers Willi Baumeister über Location-Based-Games, Geschicklichkeits- und Strategiespiele bis hin zu einer Visual-Novel, die uns von Amerikas Westküste zu den acht Hauptinseln von Hawai‘i führt.

„Es war sehr spannend zu sehen, wie die Studierenden den Inhalten, die wir für unsere große Hawai‘i-Sonderausstellung erarbeitet haben, durch digitales Storytelling, grafische Animation und Sound-Design Leben einhauchen, und es war beeindruckend, wie viel man in so kurzer Zeit auf die Beine stellen kann“, findet Dr. Stephanie Walda-Mandel, wissenschaftliche Volontärin im Ozeanienreferat des Linden-Museums. „Dass computeraffine junge Leute in einen direkten, produktiven Austausch treten mit Kulturschaffenden, die von den wissenschaftlichen Inhalten her kommen, das habe ich in dieser Form und Intensität hier das erste Mal erlebt“, so die Ethnologin.

Allein in den ersten 48 Stunden des Game-Jams sind schon etliche Spiele-Prototypen entstanden, die sich fast vom Fleck weg in eine Ausstellung integrieren ließen. „Wir können wirklich stolz sein auf die junge Entwickler-Szene in Baden-Württemberg, und wir freuen uns, dass sich bereits erste ernsthafte Kooperationen zwischen Entwicklern und Kultureinrichtungen ergeben haben“ resümiert Yasi Schneidt.

Der Game-Jam im Juni war nur der Auftakt für die Arbeit der 11 Teams. In den folgenden 4 Monaten entwickeln die meisten Teilnehmer ihre Prototypen weiter. Dabei werden sie von den Kulturinstitutionen und den 7 Mentoren in didaktischen und technischen Fragen unterstützt. Im November wird dann eine Runde aus unabhängigen Game-Design-Experten die fertiggestellten Spiele bewerten. Den krönenden Abschluss bildet die Preisverleihung auf der „Open! 2017 Konferenz für digitale Innovation“ im Dezember. Hier erhalten die besten drei Teams eine gut dotierte Auszeichnung, ein weiteres Team kann überdies auf einen Sonderpreis der MFG hoffen.

Drei Spiel-Beispiele:

 

Steintime - Jagd durch Jahrmillionen
Masterstudierende aus dem Bereich Game-Design von der Hochschule Furtwangen entwickeln für das Badische Landesmuseum in Karlsruhe ein Jump’n-Run-Game. Im Spiel sammelt ein Steinzeitmensch auf seiner Jagd von der Vergangenheit in die Zukunft Ausstellungsobjekte ein, um das nächste Level zu erreichen.


LIMADOSKITAN - Expedition durch einen Kunst-Weltraum
Eine bunt zusammen gewürfelte Truppe aus Studierenden verschiedener Hochschulen und Fakultäten entwickelt für das Kunstmuseum Stuttgart ein exploratives Game. Auf einer faszinierenden Reise können die Protagonisten hier einen Weltraum erkunden, der sich aus den abstrakten Figuren der Monturi-Reihe des Malers Willi Baumeister entwickelt.


Aloha - Reise nach Hawai'i
Studierende unterschiedlicher Fakultäten der Hochschule der Medien in Stuttgart entwickeln für das Linden-Museum ein Visual-Novel-Telling-Game. Auf der Suche nach seinen Wurzeln bereist in diesem Spiel ein nach Kalifornien ausgewanderter Hawaiier die acht Hauptinseln Hawai’is. Dabei begegnen ihm zahlreiche touristische Hawai’i-Klischees, und er muss viele spannende Rätsel lösen, um seine Blumenkette, den Lei, zu vervollständigen.

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Hack for Culture 2014

Der Hackathon "Hack for Culture" fand vom 31. Oktober bis 2. November 2014 im Literaturhaus in Stuttgart statt. 35 interessierte und motivierte Entwickler programmierten von Freitagnachmittag bis Sonntagmittag (ca. 42 Stunden lang) nachdem sie sich in kleinen Teams zusammengefunden hatten, um eine konkrete Anwendung auf die Beine zu stellen.

Dafür standen den Entwicklern: Programmierer, Konzepter, Designer, technikaffine Kulturwissenschaftler und Studierende aus dem
Informations- und Kommunikationstechnologie-Bereich zur Verfügung (Daten von Kulturreinrichtungen zum Beispiel von Wikimedia, der Deutschen Digitalen Bibliothek, dem Landesarchiv Baden-Württemberg oder Europeana). 

Vertreter der Kultureinrichtungen (Museen, Bibliotheken und Archive) waren vor Ort mit dabei und stellten Datensätze und Programmierschnittstellen vor. Auf Basis dieser Daten konnten die Teams Apps, Games oder Webseiten entwickeln oder auch unabhängig ein eigenes Thema umsetzen. Ziel war es Kulturdaten auf spannende Weise erfahrbar und erforschbar zu machen.

Folgende Kategorien wurden in der öffentlichen Jurysitzung am Sonntag, den 2. November 2014, ab 14 Uhr prämiert: Best Application, Best Design und weil der Hackathon an Halloween war, noch der Sonderpreis Scariest Application für die unheimlichste Idee.